KONGRESS-BERICHT 2017 ESSEN

Der 5. CAMLOG Zahntechnik Kongress

Digitale Planung und Fertigung mit analogem Finishing

Am 13. Mai fand der 5. CAMLOG Zahntechnik-Kongress unter dem Motto „Faszination Implantatprothetik“ in der Ruhrmetropole Essen statt. Über 650 Teilnehmer verfolgten die Vorträge der Top-Referenten aus der Zahntechnik und der Chirurgie im Colosseum Theater. Die Location, das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen mechanischen Werkstatt der Friedrich-Krupp AG, stand schon fast symbolisch für den Wandel, der sich auch in der Zahntechnik vollzieht. Wie ein roter Faden zogen sich die unterschiedlichen digitalen Einsatzmöglichkeiten zum Wohle der Patienten durch die Vorträge. Die Faszination für patientengerechte Versorgungen mit einer individuellen Implantatprothetik war den ganzen Kongresstag über spürbar.

„CAMLOG hat sowohl mit der Wahl des Themas als auch mit der Auswahl der Referenten den Nerv der Zeit getroffen“ so Michael Ludwig, Geschäftsführer der CAMLOG Vertriebs GmbH bei seiner Begrüßungsrede. „ Die Digitalisierung verändert das Berufsbild der Zahntechnik. Wir geben den Zahntechnikern und ihrem schönen Beruf ein Forum zum kollegialen Austausch und sorgen dafür, dass Wissen geteilt wird und alle davon profitieren.“ Die 14 namhaften Referenten zündeten ein Know-how-Feuerwerk und sprachen über ihre persönlichen Erfolgskonzepte, ihre Lernkurven und ihre Erfahrungen. Sie motivierten die Kongressbesucher bei ihrer Tätigkeit im Labor und auch in der Praxis mutig zu sein, die richtigen Fragen zu stellen und vor allem zuzuhören, um auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen und deren Wünsche umsetzen zu können.

Im Einleitungsvortrag appellierte ZTM Otto Prandtner dafür mehr Empathie für die Patienten aufzubringen. Denn die wahre Schönheit ist eine Kombination von Form, Farbe, Textur und Phantasie. Für die Zahntechnikermeister Udo Plaster und Jürg Stuck steht die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Behandlungsteam, bestehend aus Chirurg, Prothetiker und Zahntechniker sowie dem Patienten im Fokus. Aber auch Zahntechnikern untereinander sollten sich vernetzen und ihre unterschiedlichen Spezialisierungen zum Wohle des Patienten einsetzen.

Das Team Dr. Peter Gehrke und Zahntechniker Carsten Fischer stellte die optimale Alternative der patientenindividuellen Gestaltung mit den Vorzügen der industriellen Fertigung in den Fokus. CAD/CAM Abutments haben die Prognose biologische Probleme, hervorgerufen durch die Zementitis, zu vermeiden. Eine gelungene implantatprothetische Restauration entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Parameter: der Sinfonie aus fachlichem Know-how des Behandlungsteams, den Materialien, und der Fertigungskompetenz.

In dem kleinen Labor mit vier Mitarbeitern in Düsseldorf hat ZTM Hans Joit die Gussmaschine gegen die CAD/CAM-Einheit ausgetauscht. Die digitale Fertigung ist für ihn nur ein Werkzeug, mit dem hochpräzise Komponenten mit langzeitstabilen ästhetischen Materialien gefertigt werden können. Das handwerkliche Wissen ist dem Techniker eigen. Der Garant für eine gelungene Rekonstruktion ist die Kommunikation und die perfekte Abstimmung zwischen den Teampartnern.

Effektivität, Individualität und ästhetische Perfektion sind die Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Zahnersatz. Zahntechnikermeister Jochen Peters verabschiedet dafür die früher gelernte, aber unphysiologische Tripodisierung der Okklusionskontakte. Live auf der Bühne demonstrierte er ein Kronendesign, das die Funktionsfreiräume auch bei der Surtrusion berücksichtigt. Jede Verzahnung ist individuell, daher muss der Zahnvorschlag aus der Bibliothek mit viel zahntechnischem Know-how und Weitsicht bearbeitet werden. Das „Einschleifen“ der Okklusion im Mund ist dann nicht mehr nötig.

Nach der Mittagspause stellten Sascha Wethlow, Leitung Technischer Service Implantologie und Martin Steiner, Bereichsleiter DEDICAM die Neuheiten bei CAMLOG sowie der CAD/CAM Marke DEDICAM vor und wie Patientenwünsche mit überzeugenden Dienstleistungen und Produkten effizient unterstützt werden können. Der Full-Digital Workflow rückt in greifbare Nähe – von der Planung, dem Druck eines Modells nach dem Intraoralscan, der Erstellung der Bohrschablone für die Guided Surgery, dem präfabrizierten therapeutischen Zahnersatz, dem Einlesen eingescannter Implantatpositionen und der Fertigung eines CAD/CAM-gefrästen Halbzeugs. Die DEDICAM Services unterstützen die Anwender im Sinne einer verlängerten Werkbank.

Im nachfolgen Vortrag stellte Zahntechniker Andreas Nolte die Individualität und Ästhetik komplexer Rekonstruktion, die nur auf Basis geometrisch-mathematischer Regeln erstellt werden, in Frage. Die Wissenschaft der Planung besteht darin, das Ergebnis vorauszusehen“ so Nolte. „ Mit einer kreativen Denkweise und Mustererkennung sind komplexe Rekonstruktionen individuell umzusetzen – in einem Verhältnis aus methodischer Analytik und kreativem Denkens, und das balanciert kombiniert mit den geeignetsten Materialien und einfachen Technik.“

Das Team Dr. Ferenc Steidl und ZTM Sebastian Schuldes nutzen die digitalen Möglichkeiten, um ihren Patienten temporäre Sofortversorgungen am Tag der Implantatinsertion einsetzen zu können. Die verschraubte festsitzende Rekonstruktion auf vier beziehungsweise sechs Implantaten ist ein wissenschaftlich anerkanntes und auch kostengünstiges Behandlungskonzept. Mithilfe der 3D-Planung im Sinne des „Backward Planning“ können Implantate in der Software im exakten Winkel (0°, 17° und 30°) zueinander positioniert werden. Dies dient der Vergrößerung des Belastungspolygons, wobei die Lage der Schraubenzugangskanäle weder die Ästhetik noch die Funktion beeinträchtigt. Mit gedruckten Bohrschablonen und dem Guide System werden die Implantate präzise geführt eingesetzt. Für die Behandlungstherapie der festverschraubten Versorgung ist das COMFOUR System bestens geeignet.

Die Stimmung der Teilnehmer war auch noch beim letzten Fachvortrag am Samstagnachmittag extrem gut. PD. Dr. Jan-Frederik Güth und Josef Schweiger fesselten die Zuhörer und mit ihrem Weitblick und Wissen. In ihrem Team werden Implantatversorgungen nach dem Münchner Implantatkonzept umgesetzt. Welchen Mehrwert die digitale Technologie bei der Lösung eines komplexen Falls bietet, zeigten die Referenten sehr beeindruckend bei der Rekonstruktion eines Patientenfalls mit einer Schmelzhypoplasie und Gingivahyperplasie. „Das ist Zahntechnik 4.0.“ so Güth. „Aber der Erfolg kommt nicht von Technologie, er basiert auf Wissen.“

Der weltweit bekannte Fußballschiedsrichter und Sportkommentator Urs Meier vermittelte mit einem gehörigen Schuss Humor, wie wichtig es ist Entscheidungen beziehungsweise Lösungen bei Problemfällen zu treffen. „Wir tragen Verantwortung, für jede Entscheidungen die wir treffen, aber auch nicht getroffene Entscheidungen ziehen Konsequenzen nach sich“, so Meier. Ein Unternehmen wird erfolgreich werden, wenn das Ziel klar definiert und formuliert ist. Auch der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern und das Fairplay mit Kunden und Teampartner tragen maßgeblich zu diesem Erfolg bei.

Das Moderatorenduo Dr. Marcus Beschnidt und ZTM Gerhard Neuendorf, führten charmant und witzig durch den Kongresstag. Mit ihrer großen Berufserfahrung leiteten sie souverän die Diskussionsrunden. Sie gaben die Fragen, welche die Teilnehmer über die Kongress-App an die Referenten stellen konnten, weiter, hakten nach, oder kommentierten die Fachvorträge mit ihrem großen Fachwissen.

Die Digitalisierung hat das Vorgehen und die Konzepte in der Zahnmedizin vor allem in der Implantologie stark verändert. Die Zahntechniker waren Vorreiter für die digitale dentale Revolution. Sie haben die Veränderung vorangetrieben und die neuen CAD/CAM Möglichkeiten etabliert. Wegen ihres Know-hows und ihren Visionen sind sie Partner der Zahnärzte auf Augenhöhe. Ein Statement aller Referenten vom 5. CAMLOG Zahntechnikkongress war, dass sowohl die dentale Analyse als auch die Finalisierung der ästhetischen Rekonstruktionen im Labor am Patienten stattfinden sollte. Bei seinen Schlussworten wünschte Michael Ludwig allen Teilnehmern, den notwendigen Mut aufzubringen, um Entscheidungen zum Wohle ihres Unternehmens und ihrer Patienten zu treffen. Auch im Jahr 2019 wird CAMLOG die Erfolgsgeschichte des Zahntechnik Kongresses fortschreiben, dann schon zum sechsten Mal.

Impressionen

© Simon Wegener    www.simonwegener.com
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